Montag, 2. März 2009

Aufsichtsrat soll für Managergehälter haften

Aufsichtsratsmitglieder sollen für unangemessene Gehaltszahlungen an Manager haftbar gemacht werden, ist aus einer Koalitionsarbeitsgruppe zu Managergehältern bekannt geworden. Damit hoffen die Koalitionsparteien in Deutschland, künftig Exzesse bei Managementgehältern verhindern zu können.
Ungeachtet der Arbeitsgruppe will die CDU die Aktionäre über Vorstandsbezüge abstimmen lassen. Die Task-force hat sich hingegen dafür ausgesprochen, dass der GESAMTE Aufsichtsrat die Gehälter festlegt. In der Praxis werden die Gehälter von einem Ausschuß des Aufsichtsrates festgelegt.
Wenn die Governance ein Schattendasein führt, kann es zu exorbitanten Auszahlungen kommen. In Erinnerung ist das fragwürdige Zustandekommen von Rekordzahlungen an die ehemaligen ABB-Spitzenleute Percy Barnevik und Göran Lindahl, die ein Unternehmen am Rande der Zahlungsunfähigkeit hinterließen.

Samstag, 28. Februar 2009

Feldmayer auf dem Rückzug

Nach dem rechtskräftigen Urteil des Landgerichts Nürnberg in Zusammenhang mit der Unterstützung der umstrittenen Arbeitnehmerorganisation AUB und einem desaströsen Abstimmungsergebnis über sein Entlastung als Aufsichtsrat von Infineon hat Johannes Feldmayer sein Aufsichtsmandat Ende der Woche aufgegeben.

Das einstige Vorstandsmitglied von Siemens hat gegen die verhängte Bewährungsstrafe und eine Strafzahlung nicht berufen. So manches Aufsichtsratsmitglied eines krisengebeutelten Unternehmens könnte sich am konsequenten Rückzug Feldmayers ein Beispiel nehmen.

Freitag, 27. Februar 2009

Pleite-Vorstand will Geld

Keine Hemmungen scheint der geschasste Vorstand der krisengeschüttelten Hypo Real Estate (HRE) zu kennen. Ex-Manager haben kürzlich Klage beim Landgericht München eingereicht. Der einstige Vorstandsvorsitzende Georg Funke soll 150.000 EUR fordern, sein Kollege Frank Lamby will dem Vernehmen nach 37.500 EUR und auch der frühere Finanzvorstand Markus Fell hat Klage eingereicht. Zur Erinnerung: Die HRE konnte nur durch Staats- und Bankenhilfe in Höhe von mehr als 100 Mrd. EUR gerettet werden. Nach wie vor laufen staatsanwaltschaftliche Ermittlungen.

Dabei verhalten sich die drei Herren auch nicht anders als Manager ihres Schlages. Die Royal Bank of Scotland meldete kürzlich mit 24 Mrd. Pfund den höchsten Verlust in der britischen Geschichte. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Fred Goodwin (nomen est omen) bekommt dennoch 600.000 Pfund Pension im Jahr.

Donnerstag, 26. Februar 2009

Messen mit zweierlei Maß

Schnell wird mit dem Finger auf Unternehmen gezeigt, wenn sie Steuern hinterziehen, Genehmigungen nicht einholen oder ihren Müll illegal entsorgen. Eine akutelle Studie von Marketagent in Deutschland, Österreich und der Schweiz über Kavaliersdelikte zeigt jedoch, dass die Bevölkerung es mit der eigenen Moral nicht so genau nimmt. Beispielsweise empfindet es nur jeder fünfte Befragte als Unrecht, Büromaterial des Arbeitgebers für den eigenen Gebrauch mitzunehmen und 40% haben sich schon am Büromaterial bedient.

Nur 37% lehnen falsche Steuererklärungen grundsätzlich ab. Etwa gleichviel empfinden es als Unrecht, wenn Müll nicht richtig oder nicht umweltgerecht entsorgt wird oder die Sonntagszeitung im stummen Verkauf nicht bezahlt wird. Für drei Viertel ist Fernsehen ohne Gebühren zu entrichten akzeptabel. Überhaupt nur jeder achte Befragte findet illegale Downloads nicht OK.

Soviel zur Einstellung. Aber haben die Befragten schon selbst eines dieser Delikte begangen?

41% haben schon öffentliche Verkehrsmittel benutzt ohne zu bezahlen. Vier von zehn Befragten haben Abfall nicht sachgerecht entsorgt, drei von zehn haben die Sonntagszeitung entwendet. Knapp jeder vierte Befragte verwendet Software, ohne die erforderliche Lizenz legal erworben zu haben. Jeder fünfte hat sich schon von Rundfunk- und Fernsehgebühren gedrückt. 7% haben bei der eigenen Steuererklärung geschummelt.

Mittwoch, 25. Februar 2009

Google - Wir sind die Guten!

Irgendwer hat ausgerechnet, wieviel CO2 bei einer Suchabfrage im Internet freigesetzt wird. Angeblich soll das gar nicht wenig sein, immer wieder haben Medien darüber berichtet.

Mittlerweile hat Google umweltfreundliche Geschenkartikel aus Recycling-Material im Programm. Wohl eine Antwort auf die Vorwürfe.

Interessant ist auch die Unterstützung von gemeinnützigen Organisationen durch Google. Wer beim Google-Werbeprogramm Adsense mitmachen will, wird geprüft. Bis das vorbehaltslose OK von Google kommt, schaltet der Suchmaschinenbetreiber nur Anzeigen von gemeinnützigen Organisationen. Die gleichen Anzeigen kommen, wenn die eigene Website ein Minderheitenthema ist, in das kein Werber investiert. Diese Politik kostet Google praktisch nichts, schafft Goodwill und hilft den Gemeinnützigen. CSR aus der eigenen Kernkompetenz betrieben ist 100 Mal wirksamer und kostengünstiger als die üblichen Sponsorings und Spenden, mit denen sich viele Unternehmen lieblos abmühen. Hut ab!

Von Datenschützern wird Google heftig kritisiert. Vielleicht zu Recht. Andererseits: Wieviel andere Unternehmen bieten soviele Leistungen kostenlos an?

Blamabler Führungsstil bei Telekom Austria

"Gibt es eine intelligentere Möglichkeit (Anm.: smarter ways) die Arbeitskraft der beamteten Telekom-Mitarbeiter zu nutzen, als ihnen nur zu gestatten daheim zu sitzen", fragt ein Analyst Ende Jänner 2009 beim Capital Market Day der Telekom Austria.

Finanzchef Gernot Schieszler setzt sich mit seiner Antwort ein blamables Denkmal: Wer den Golden Handshake der Telekom ablehnt, werde für sechs bis acht Wochen nach Hause geschickt. Im Februar werde man die Mitarbeiter anrufen und sie tageweise in die Arbeit rufen - dann werden die Mitarbeiter krank ("and then the people will get ill on the telephone"). Anschließend werde ein Arzt kommen und feststellen, dass sie nicht krank sind. In der Folge werde gerichtlich gegen die Mitarbeiter vorgegangen. Das werde dazu führen, dass einige Leute den Golden Handshake annehmen werden, gab Schieszler Einblick in die Mitarbeiterführung seines Unternehmens.

Wie war nochmals die Frage an den Finanzvorstand? "Gibt es eine INTELLIGENTERE Möglichkeit ..."

Ein Video-Mitschnitt findet sich auf Youtube. Wohl verärgerte Mitarbeiter haben den Film dieser Tage veröffentlicht. Das Video sei von Telekom-Homepage entfernt worden, heißt es darin und die Telekom betreibe systematisches Mobbing.

Knapp 28.000 Mal wurde der Auftritt Schieszlers mit Stand heute Vormittag angeklickt, sicher auch von vielen Kunden. Am Abend zeigte Youtube knapp 68.000 Hits. Das Video ist gefrag! Wut und Verzweiflung über beamtete Mitarbeiter ist nachvollziehbar, aber der Führungsstil ...

"Mitarbeiter, Kunden, Journalisten, Behörden, die Politik sollen möglichst gut über uns informiert sein", stand heute auf der Konzern-Website zu lesen. Und "transparente Kommunikation" wurde gepriesen. Dann wird dieses Posting sicher helfen.

Bei der heutigen Bilanzpressekonferenz mußte sich Telekomchef Boris Nemsic für den Finanzvorstand entschuldigen. Die Personalagenden wurden Schieszler entzogen.

Die Affäre ist irgendwie traurig, denn die Telekom Austria ist ein innovativer Konzern mit hoher Kundenorientierung und einem beeindruckenden CSR-Programm.

Dienstag, 24. Februar 2009

Drei Viertel für Mehdorns Rücktritt

Mehr als drei Viertel der Deutschen sind für den Rücktritt von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn. Das geht aus einer aktuellen Forsa-Umfrage hervor, die der Stern im Februar 2009 veröffentlicht hat.

Mehdorn war wegen der Überwachung und systematischen Überprüfung der Mitarbeiter in die Kritik geraten. Nur 17 Prozent wollen ihn weiter am Steuer der Deutschen Bahn sehen. Sieben Prozent der befragten Bundesbürger hatten keine Meinung.